Trockener September 2009

Zahlreiche Fische werden aus Pfützen gerettet
Die Trockenheit förderte in den vergangenen Tagen nicht nur die Waldbrandgefahr. Viele Bäche und Teiche sind nahezu ausgetrocknet, Mitglieder von Fischereivereinen mussten zahlreiche Fische retten und in andere Gewässer «zügeln».

Von Thomas Schwizer

Region. – «Wir brauchen einen mittleren Landregen, der mehrere Tage anhält», bringt Roland Riederer, Bereichsleiter Lebensraumschutz im kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei die angespannte Lage für die Fische in manchen Gewässern im Kanton St. Gallen auf den Punkt. An gewissen Orten sei die Lage kritisch. Das bestätigen auch Fischereivereine im W&O-Gebiet.

Sarganserland besonders betroffen
Das Sarganserland ist von der Trockenheit der vergangenen Wochen im Kanton St. Gallen am stärksten betroffen. Das hat auch Auswirkungen auf den Wasserstand in Bächen und Teichen. Jonny Tschirky ist Präsident des Fischereivereins Sarganserland. Der Wasserstand sei besonders in den  Giessen in der Rheinebene extrem tief, stellt er auf Anfrage des W&O fest. «Die Fische hatten sich beispielsweise in den Krummgiessen (beim Strassenkreuz in Sargans), in die letzten Pfützen zurückgezogen», schildert Tschirky. Da die Giessen vom Grundwasser gespiesen würden und dieses einen sehr tiefen Stand aufweise, seien sie zum Teil nahezu ausgetrocknet.
Die vereinseigenen Fischereiaufseher hätten die Entwicklung genau verfolgt und rechtzeitig die kritischen Gewässer «ausgefischt». Die dort lebenden Fische seien in andere Gewässer umgesiedelt worden, deren Wasserstand noch genügend hoch sei, erklärt Tschirky.

Thurlauf trockener als üblich
Im oberen Toggenburg ist sich der Fischereiverein den Sondereinsatz
gewohnt, um Fische einzufangen und an andere Orte «umzusetzen». Werner Bleiker vom Fischereiverein Obertoggenburg stellt fest: «In der Thur müssen wir jedes Jahr regelmässig abfischen und Fische ‘umsetzen’, normalerweise von der Höhe der Sellamattbahn bis Unterwasser. Heuer mussten wir aber wegen der aussergewöhnlichen Trockenheit  er letzten Wochen bis auf Höhe des ‘Rössli’ ausfischen.» Als Grund, dass die Thur bei Unterwasser im Winter regelmässig austrocknet, nennt Bleiker das Versickern des Wassers aus dem Flussbett ins Grundwasser.
Für ihn ist ein anderes Problem für den Fischbestand grösser als die jetzige Trockenheit. Die Fischreiher würden sich wie im Paradies fühlen und sich in der Thur zwischen Alt St. Johann und Unterwasser fleissig «bedienen». «Ihr zahlenmässig grosses Vorkommen ist zu einem echten Problem geworden», stellt Bleiker fest.
Auch für Philipp Scherer, im Fischereiverein Werdenberg Obmann der Aufseher, ist der aktuelle Wasserstand ein Thema. «Wir haben zwar noch  keine aktuellen Notfälle, aber zurzeit eine angespannte Situation», stellt er fest. Gewisse Bäche und Weiher müssten derzeit täglich überwacht werden, um rechtzeitig ausfischen und die Fische an einem andern Ort wieder aussetzen zu können. Das gelte vor allem für den Röllbach in Buchs und Gewässer in der Gemeinde Sennwald.
Im Binnenkanal sei die Lage trotz tiefem Wasserstand für die Fische noch nicht akut. Als Grund dafür führt Scherer an, dass der Fischereiverein zusammen mit dem Kanton hier für die Fische Unterstände realisiert hat, dank denen sie sich an tiefere Stellen zurückziehen könnten.

Lob für Fischereiaufseher
Der derzeitige Wasserstand ist mit jenem im Rekordsommer 2003 vergleichbab. Von Vorteil sei aber, dass jetzt die Wassertemperaturen nicht mehr so hoch seien und damit die Fische auch im seichten Wasser genügend Sauerstoff aufnehmen könnten, sagen die Fachleute.
Beim Kanton gibt es Lob für die freiwillige Arbeit der örtlichen Fischereiaufseher und der -vereine. «Wir können uns verlassen, dass sie rechtzeitig die nötigen Massnahmen ergreifen», sagt Roland Riederer

Jugendfischen am Voralpsee – ein voller Erfolg

Was gibt es spannenderes, als an einem Mittwochnachmittag mit Freunden an einem See zu sitzen und zu angeln? Genau das dachte sich der Fischereiverein Werdenberg und veranstaltete am 1. Juli 2009 ein Jugendfischen am Voralpsee. Eingeladen waren Jugendfischer aus dem Verein, aber hauptsächlich auch ihre Freunde, die noch keine oder nur wenig Erfahrungen mitbrachten.

Rund 45 Jugendliche waren um den See verteilt und versuchten ihr Glück. Bei erfahrenen Fischern konnten sie wertvolle Tipps erhalten und diese gleich umsetzen. Bereits das Auswerfen des Köders benötigte eine Portion Übung. Aber nach einer Weile klappte auch das. Das Zusammenspiel von Material, Köder und Positionierung im Wasser wurde erforscht und dann und wann brachte es durchaus Erfolg mit sich.

Es bleibt zu hoffen, dass aufgrund des grossen Interesses bald eine Wiederholung statfindet.

Sachkundenachweis (SANA)

In der neuen Tierschutzverordnung (TSchV) (in Kraft seit dem 1. September 2008), werden neu auch die Fische berücksichtigt. Dies hat direkte Folgen für die Angelfischerei, denn aufgrund der Änderungen in der TSchV mussten gewisse Anpassungen in der Fischereigesetzgebung vorgenommen werden (Verordnung über das Bundesgesetz der Fischerei, VBGF).

Anbei eine Liste der wichtigsten Änderungen: 

  • Ausbildungspflicht für Fischer und Fischerinnen
  • Fische werde neu zusätzlich mittels Kiemenschnitt getötet

Folgendes ist grundsätzlich verboten, die Kantone können aber für Fischende mit einem Sachkunde-Nachweis Ausnahmen gewähren:

  • Verwendung von Widerhaken
  • Verwendung von lebenden Köderfischen
  • Hältern und transportieren von lebenden Fischen

    Alle diese Neuerungen treten am  1. Januar 2009 in Kraft


Weitere Informationen findet man unter:
http://www.anglerausbildung.ch
http://www.sg.ch
http://www.fischereiverband-sg.ch

Weshalb Überlebenshilfe für Bachforellen?

Grundsätzlich ist der FV Werdenberg für Naturverlaichung. Doch die Werdenberger Gewässer sind zum Grossteil begradigt und ausgepflastert und somit für die natürliche Fortpflanzung nicht geeignet. Die Bachforelle ist auf einen Lebensraum mit gleichmässiger guter Wasserqualität, Deckungsmöglichkeiten und zum ablaichen einen kiesigen Boden mit Kieselgrössen zwischen sechs und acht Zentimeter angewiesen. Die befruchteten Eier sollten zwischen die Kieselsteine sinken und sich so geschützt, je nach Gewässertemperatur 7 - 8 C° innerhalb sieben Wochen zur Fischlarve entwickeln. Jegliche Störung wie Unterhaltsarbeiten, Sunk und Schwallbetrieb und Reinigungsarbeiten mit Wassereintrübung und Veränderungen der Wasserqualität zwischen den Monaten November und April führen unweigerlich zur Zerstörung der Brut.

Hier hilft der FV Werdenberg: einheimische Bachforellen aus der Bergregion werden gestreift,deren Nachkommen in der Brutanlage aufgezogen und als Jungfische im Frühjahr wieder der Natur übergeben. Wie die Bilder zeigen, hat uns diesmal Lehrer Felix Rohrer mit seiner 6. Schulklasse aus Grabs besucht und tatkräftig beim Streifen unterstützt.
 
 
 
 
 
 








 

Kontroverse um Fisch oder Vogel

«Artenschutz hört nicht an der Wasseroberfläche auf», schreibt der Schweizerische Fischerei- Verband (SFV) in einer Medienmitteilung zum Thema fischfressende Vogelarten. Der SFV hat eine Petition lanciert.

Von Paul Schawalder

Anfang des 19. Jahrhunderts führten die Bejagung und die Trockenlegung ausgedehnter Feuchtgebiete zu einer massiven Dezimierung des Graureihers, schreibt der SFV in seiner Mitteilung. Um sein Aussterben zu verhindern, wurde er 1926 im Einverständnis mit Fischern und Jägern unter Schutz gestellt. Heute gilt er als nicht mehr gefährdet. Seine Bestände haben in den vergangenen Jahren neue Rekorde erreicht. Trotzdem ist er noch immer geschützt. Akut bedroht sind hingegen verschiedene Fischarten, nicht die fischfressenden Vögel.

Gleichgewicht beeinträchtigt
In der unberührten Natur stellt sich zwischen Räubern und Beute mittelund langfristig stets ein Gleichgewicht ein. Durch menschliche Einwirkungen wurden diese Gleichgewichte zunehmend beeinträchtigt. Wenn nun Beutetiere, zum Beispiel gewisse Fischarten, in ihren Lebensräumen bedroht sind, dann gilt es in erster Linie die durch den Menschen verursachten Beeinträchtigungen zu reduzieren, indem beispielsweise Gewässer renaturiert werden. Reichen solche Massnahmen nicht aus, hat der Mensch die Pflicht, gefährdete Fischarten durch eine Regulation der fischfressenden Vögel zu schützen. Die Aussage eines Zoologen: «Wer wie die Fischer in der Natur produziert, muss doch einfach mit Ausfällen rechnen»,bezeichnet der SFV mehr als zynisch: Von den ursprünglich 53 einheimischen Fischarten seien deren 8 in den letzten 150 Jahren ausgestorben (15,1 Prozent), 5 seien vom Aussterben bedroht (9,4), 8 stark gefährdet (15,1), und 11 gefährdet (20,7). Dass zum Beispiel die stark bedrohte Äsche, notabene von Pro Natura zum «Tier des Jahres 2007» gekürt, durch fischfressende Vögel in ihrem Fortkommen gefährdet werden kann, sei wissenschaftlich belegt, heisst es weiter. Trotzdem negiere der Schweizer Vogelschutz diese Tatsache.

Graureiher-Management
Seit der Bestandeserholung des Graureihers kam es immer wieder zu Interessenkonflikten zwischen Fischerei und Vogelschutz. Mit dem Konzept «Graureiher und Fischerei» wurden 1984 zusammen mit dem Bafu Massnahmen zu seiner Überwindung ausgearbeitet, die in verschiedenen Kantonen auch umgesetzt werden. In erster Linie sollen ökologische Abwehrmassnahmen ergriffen werden (Uferbestockungen, Renaturierungen). Die kantonalen Jagdverwaltungen können Einzelabschüsse bewilligen, wenn ein Schaden belegt ist und andere Massnahmen nicht möglich sind. Solche Bewilligungen sind für den nachhaltigen Schutz der Fische und die Erhaltung eines Gleichgewichts zwischen Räuber und Beute unerlässlich.

Für kommerzielle Fischzuchtanlagen, bei denen technische Abwehreinrichtungen nicht machbar sind, sind sie sogar überlebenswichtig! Auch für die Akzeptanz und den Erfolg von Artenschutzmassnahmen sind sie essenziell. Da die Vogelschutzorganisationen ein vernünftiges Management von fischfressenden Vögeln zu verhindern trachten, so wie es in der SFVMedienmitteilung heisst, hat der SFV eine Petition lanciert. Sie fordert den Bundesrat und die eidgenössischen Räte auf, die Bundesgesetzgebung in dem Sinn abzuändern, dass die Kantone «rasch wirksame Massnahmen zur dauerhaften Begrenzung» der Kormoran-, Gänsesäger- und Graureiherbestände ergreifen können. Dabei soll auf andere geschützte Vogelarten gebührend Rücksicht genommen werden. Die Petition wird von der Basis mitgetragen, wie das Beispiel Werdenberg zeigt.An seiner Hauptversammlung hat der Fischereiverein Werdenberg kürzlich die Petition zur Unterschrift aufgelegt (W&O 19. März).

Von Herbert Ertl, Präsident des Fischereivereins Werdenberg, konnte in Erfahrung gebracht werden, dass für den SFV der Schutz gefährdeter oder bedrohter Arten kein blosses Lippenbekenntnis sei. Der Verband sei der Meinung, dass der Schweizer Vogelschutz gegen bestimmte unerwünschte Vogelarten (beispielsweise Rostgänse) sehr unzimperlich vorgehe und schlicht deren «Entfernung aus der freien Wildbahn» wolle. Derart rigorose Ausrottungskampagnen zu verlangen käme Fischerinnen und Fischern nicht in den Sinn, heisst es beim SFV.